Mobbing auf Grün
 

Mobbing ist in den letzten paar Jahren zum Modewort geworden, und gleichzeitig zu einem der am häufigsten falsch gebrauchten Begriffe. Denn lange nicht jede kleine Schikane, dumme Anmache oder Ungerechtigkeit im Betrieb ist Mobbing.

Der Begriff "Mobbing" leitet sich ab vom englischen Wort "to mob" und bedeutet "über jemand herfallen". Nach einer allgemein anerkannten Definition werden mit Mobbing Situationen beschrieben, in denen Kollegen oder Vorgesetzte eine Person systematisch, oft und über einen längeren Zeitraum hinweg mit dem Ziel des Ausgrenzens angreifen, und das Opfer dies als Diskriminierung empfindet.

Was dies mit den Grünen zu tun hat? Nun, die haben dieser Tage ein Musterbeispiel abgeliefert für eine gut angelegte und geplante Mobbing-Kampagne.

Hintergrund des Ganzen war Jürgen Trittins jüngster Tritt ins Fettnäpfchen, als er CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer die Mentalität eines Skinheads attestierte. Nun kann man über die Richtigkeit dieser Äußerung sicherlich trefflich streiten, bei der Union kam sie jedenfalls nicht gut an. Trittin entschuldigte sich zwar, aber für einen Teil seiner grünen "Freunde" war dies offensichtlich das Signal, jetzt endlich ernst zu machen mit dem Abschuß eines ungeliebten Ministers, der womöglich im nächsten Wahlkampf ein paar Stimmen kosten könnte.

"Grüne Spitze will Trittins Rücktritt" war jedenfalls der Aufmacher der Stuttgarter Zeitung vom 30. März überschrieben. Ohne im folgenden Artikel dann auch nur einen oder eine derjenigen mit Namen zu nennen, die anscheinend Trittins Rücktritt wollen, war zumindest die Strategie haarklein beschrieben, wie dies erreicht werden soll.

So hätten "prominente Vertreter des Realo-Flügels" eine Absprache getroffen, "noch vor der Sommerpause den Druck auf Trittin in Partei, Fraktion und Öffentlichkeit so zu erhöhen, dass er sein Amt von sich aus aufgibt." Also eine geradezu klassische Mobbing-Strategie mit Tätern, die zu feig sind, ihren Namen offen zu nennen, und die man deshalb auch nicht richtig festmachen kann, und einem Opfer, das gezielt fertig gemacht werden soll.

Im Rest des Artikels werden noch weitere Teile der geplanten Strategie angesprochen, vom Entzug des Vertrauens in Fraktion, Vorstand und Parteirat, bis hin zur Nennung des geplanten Nachfolgers, der gleich auch noch für seine exzellenten Kontakte zu Umweltverbänden und Aktionsgruppen gelobt wird (so suggerierend, daß Trittin eben über keine solchen Kontakte verfügt). Dies ist aber im Prinzip nicht mehr weiter wichtig, es rundet das Bild nur noch ab. Dazu passt dann auch, daß in der Bundestagsdebatte über die von der CDU geforderte Entlassung Trittins kein einziger Grüner für ihn gesprochen hat.

Nun will ich hier Trittin keineswegs verteidigen. Seine Amtszeit als Umweltminister hat, angefangen von der geplatzten EU-Altauto-Verordnung, über die Pseudo-Öko-Steuer bis hin zur Kapitulation vor der Atomindustrie nur wenige Highlights zu bieten. Man muß Trittin aber auch nicht unbedingt mögen, um ein solches Vorgehen seiner Parteifreunde zum Kotzen zu finden.

"Ökologisch, sozial, basisdemokratisch, gewaltfrei", dies waren einmal die Schlagworte der Grünen. Geblieben ist von diesen Ansprüchen schon lange nichts mehr. Aber auch im Umgang miteinander sind sie jetzt da angekommen, wo andere Parteien schon lange sind. Schade.

2.4.2001