Ich habe bei www.soliserve.de den Nachrichtendienst abonniert. Gestern hatte ich nun unter anderem auch die folgende Meldung in meiner Mailbox: "Die Bekämpfung der Schwarzarbeit wird weiter intensiviert. Darauf einigten sich die zuständigen Bundes- und Landesbehörden in einem Gespräch Ende vergangener Woche in Halle. . . . "
Die Meldung geht natürlich noch weiter, bringt aber nichts Neues mehr.
Ebenfalls gestern las ich in meiner Tageszeitung, daß der Gesamtbetriebsrat von Daimler-Chrysler mit der Geschäftsführung in Clinch liegt, weil in den vergangenen zwei oder drei Jahren insgesamt 1,1 Millionen Überstunden verfallen sind. Wohlgemerkt: es geht hier nicht um die Zahl der geleisteten Überstunden (die dürfte wesentlich höher liegen), sondern nur um die verfallenen, also nicht bezahlten Überstunden.
Während um die Bekämpfung der Schwarzarbeit immer wieder ein ungeheuerer Wirbel entfacht wird (natürlich mit einer gewissen Berechtigung, beschert sie doch dem Staat Jahr für Jahr Steuerausfälle in Millionen- oder gar Milliardenhöhe), schert sich um diese "Grau-Arbeit" außer den Gewerkschaften kein Schwein. Dabei verursachen diese grauen Überstunden, die ja nicht nur bei Daimler-Chrysler geleistet werden, ebenfalls immense volkswirtschaftliche Schäden.
Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre wurden in Deutschland Jahr für Jahr mit schöner Regelmäßigkeit etwa 1,9 Milliarden bezahlte Überstunden pro Jahr geleistet. Hinzu kommen nach einer Untersuchung des Kölner ISO-Instituts noch einmal 2,4 Milliarden unbezahlte Überstunden pro Jahr.
Dass sich Überstunden niemals ganz vermeiden lassen, ist klar. Aber würde auch nur die Hälfte dieser über 4 Milliarden Überstunden abgebaut, könnten nach Schätzungen der IG Metall rund 900.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Abgesehen von der Ersparnis bei Arbeitslosengeld und -hilfe brächte dies dem Staat und den Sozialversicherungsträgern zusätzliche Milliardeneinnahmen in Form von Lohnsteuern und Sozialabgaben.
Diese "Grauarbeit" entschieden zu bekämpfen, wäre also mindestens genauso wichtig, wie der Kampf gegen die Schwarzarbeit. Darauf sollten sich "die zuständigen Bundes- und Landesbehörden" endlich auch einmal verständigen.
PS: Natürlich haben graue Überstunden nicht nur eine volkswirtschaftliche, sondern für die Betroffenen auch eine ganz persönliche Bedeutung. Nehmen wir mal als Beispiel eine ganz normale Verkäuferin, die morgens 10 Minuten früher anfängt und abends 10 Minuten länger da ist (und das sind schon sehr vorsichtige Annahmen, in der Praxis sind diese Zeiten meist wesentlich länger). Rechnet man diese 20 unbezahlten Arbeitsminuten pro Tag hoch, so kann man unschwer ausrechnen, dass diese Verkäuferin nach 20 Arbeitsjahren fast ein ganzes Jahr umsonst gearbeitet hat !
Jeder deutsche Arbeitnehmer leistet durchschnittlich pro Woche 2,8 Überstunden - und wie stehts bei Ihnen ?